5 Fragen an Gecko Neumcke

Gecko NeumckeGecko Neumcke legt nach seinem vielbeachteten Einstand ein totes im se'bolo seine zweite Novelle vor, diesmal in Zusammenarbeit mit dem Autor Stephan Strzoda. Wir haben Gecko anlässlich der Veröffentlichung von Der Chor der Anarchie ein paar Fragen gestellt.

In "Der Chor der Anarchie" spielen Kinder immer wieder die früheren Kämpfe ihrer Eltern nach. Was habt ihr euch bei diesem Motiv gedacht?

mich hat interessiert, wie so ein kommuneleben aus der sicht der dort aufwachsenden kinder ausgesehen haben könnte. Dass sie dann die dort obenliegenden themen aus ihrer sicht bearbeiten, ist ja naheliegend. So wie woanders kinder kaufmannsladen, autorennen oder barbie und ken nachspielen (oder heute prekäre selbstvermarktung beim online-netzwerkeln einüben).

Der Spanische Bürgerkrieg ist bis heute immer wieder Thema von Büchern und Filmen. Was fasziniert euch an diesem Thema?

da blitzte doch mal eine konkrete utopie in der realität auf, immerhin für ein paar monate. Interessant finde ich, wie das in viele lebensbereiche reingewirkt hat. Und wie die niederlage als auftakt für das kommende faschistische deutsch-europa gewirkt hat.

Im Nachwort weist ihr darauf hin, dass die Ereignisse von Der Chor der Anarchie fiktiv sind; trotzdem habt ihr mit der Colonie d'Aymare einen Handlungsschauplatz gewählt, den es wirklich gegeben habt. Seid ihr euch manchmal unschlüssig gewesen, wie weit ihr bei der Abweichung von der wirklichen Geschichte gehen könnt?

Der Chor der Anarchieda war ich manchmal unsicher. Aber der ort war eben nur inspiration für eine fiktive komnune in meinem kopf. Wie es da hätte sein können, aber sicher nicht war. Ich habe mir aber schon ein bisschen rückmeldung geholt, von leuten, die da näher dran waren. Und ich hoffe, dass die realen menschen sich freuen, dass ihre geschichte auch heute noch interessant ist, interessant genug, dass sie zum rumspinnen inspiriert.

In eurer Novelle wird ein möglicher Widerspruch zwischen linkem Aktionismus und dem Aufbau einer Utopie im Hier und Jetzt thematisiert. Ist das für euch ein auch heute noch wichtiges Thema?

das eine wird ohne das andere wohl immer überrollt und delegitimiert werden. Ich finde die auseinandersetzung darum, wann was passend und wichtig und dran ist, spannend. Wenn schon historisch nur niederlagen, dann wenigstens daraus was lernen. Was genau, weiß ich selbst nicht, ein paar der fragen hab ich den figuren gestellt und war neugierig auf die antworten.

„Der Chor der Anarchie“ ist bereits vor vielen Jahren entstanden, für die Veröffentlichung habt ihr den Text noch einmal bearbeitet – wie war es, sich nach so langer Zeit erneut damit zu befassen?

das war sonderbar. Nach so langer zeit in der schublade. Auch eine zeitreise in die eigene vergangenheit: was habe ich damals gedacht, gehofft, geträumt, wo stehe ich heute damit? Kann ich das so noch rausgeben, bin ich da noch dabei? Da gingen dann die diskussionen in mir los, und gehen weiter. Hoffentlich, das war ja mal die idee davon.

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